Gedenkveranstaltung für Marietta Blau an ihrem 109. Geburtstag

Ein Rückblick

Brigitte Strohmaier und Robert W. Rosner: »Marietta Blau – Sterne der Zertrümmerung«

[1] »Sterne der Zertrümmerung«

Johann Jurenitsch

[2] Vizerektor Prof. Jurenitsch

Christian Noe

[3] Dekan Prof. Noe

Wolfgang Kerber

[4] Bibliotheksdirektor

Dr. Kerber

Brigitte Strohmaier, Wolfgang Kerber

[5] Blumen für die Herausgeberin Prof. Strohmaier

Herbert Pietschmann

[6] Prof. Pietschmann

Ilse Korotin

[7] Dr. Korotin

Die Universität Wien erinnerte sich am 29. April 2003 einer ihrer in Vergessenheit geratenen Naturwissenschaftlerinnen. Am 109. Geburtstag der Physikerin Marietta Blau lud der Rektor der Universität Wien zu einer Gedenkveranstaltung im Großen Festsaal, in deren Rahmen auch das soeben über das Leben dieser Frau erschienene Buch »Marietta Blau – Sterne der Zertrümmerung« [1] der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Über 250 BesucherInnen folgten der Einladung zu der von der Österreichischen Zentralbibliothek für Physik organisierten Feierlichkeit.

Marietta Blau (1894-1970) war unter den ersten Frauen, die an der Universität Wien Physik studierten. Sie entwickelte am Wiener Radiuminstitut eine Methode zur Registrierung von Kernteilchen mit Hilfe von photographischen Platten. Höhepunkt ihrer Forschung war die Entdeckung von »Zertrümmerungssternen«, den Spuren der Kernreaktionen, die die Höhenstrahlung in den Photoplatten bewirkt. 1938 emigrierte sie auf Vermittlung Albert Einsteins nach Mexiko, wo sie aber wissenschaftlich völlig im Out war. Nach ihrer Übersiedlung in die USA war sie zunächst in der Industrie tätig, bevor sie 1948 wieder Zugang zur Teilchenphysik und somit zu wissenschaftlicher Forschung fand. Als sie 1960 nach Wien zurückkehrte, war sie bereits dreimal vergeblich für den Nobelpreis vorgeschlagen worden, und sie fand in ihrer Heimatstadt die unaufgearbeiteten Probleme der Nazizeit vor. Zehn Jahre verlebte sie in diesem schwierigen Ambiente, vier davon forschte sie noch am Radiuminstitut.

Die Begrüßung der zahlreichen Gäste, unter ihnen auch Ihre Exzellenz, die Botschafterin von Mexiko, erfolgte durch Vizerektor Univ.-Prof. Johann Jurenitsch [2], der auf die Bedeutung solcher Veranstaltungen für die Universität Wien hinwies.

Dekan Univ.-Prof. Christian Noe [3] (Fakultät für Naturwissenschaften und Mathematik) konnte in seinem Einführungsreferat anhand der Lebenserinnerungen von Stefan Zweig die Stimmung der geistigen und kulturellen Eliten im Wien der Zwischenkriegszeit vermitteln.

In Abwesenheit der in den USA lebenden Angehörigen Marietta Blaus überreichte der Direktor der Zentralbibliothek, Dr. Wolfgang Kerber [4], als symbolische Geste des Dankes Blumensträuße an Personen, die Marietta Blaus Interessen in Wien wahrnahmen, zu ihren Lebzeiten bzw. nun, um ihr Schicksal der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Es waren dies Frau Ingrid Meder als Repräsentantin des Bühnen- und Musikalienverlags Josef Weinberger und ao. Univ.-Prof. Brigitte Strohmaier [5] als Vertreterin der Hersteller der vorliegenden Biographie.

Durch die persönlichen und humorvollen Erinnerungen von Univ.-Prof. Herbert Pietschmann [6] an Marietta Blau wurde dem Anlass der Veranstaltung, dem Gedenken an eine jüdischen Frau und Wissenschaftlerin, Rechnung getragen. Ohne Pathos, aber von Sympathie und Achtung der älteren Kollegin gegenüber getragen, gelang es Prof. Pietschmann, den ZuhörerInnen seine Eindrücke der Persönlichkeit von Marietta Blau einfühlsam zu vermitteln.

Dr. Ilse Korotin [7], Projektkoordinatorin von »biografiA«, einer Datenbank und einem Lexikon bedeutender österreichischer Frauen, am Institut für Wissenschaft und Kunst, ergänzte mit statistischen Daten über Frauen, die Anfang des vorigen Jahrhunderts ein Universitätsstudium absolvierten, die Schilderung der gesellschaftlichen Bedingungen, durch die das Leben und Werk der Physikerin bestimmt waren. Mit Erstaunen wurde von den BesucherInnen die Tatsache aufgenommen, dass in den Dreißigerjahren 35% der PhysikabsolventInnen Frauen waren, während es im Jahr 2002 nur noch 20% Studentinnen gab.

Die Präsentation der von Robert Rosner [8] und Brigitte Strohmaier [9] herausgegebenen Biographie nahmen der Freund und langjährige Mitarbeiter Blaus Univ.-Prof. Arnold Perlmutter [11] und der Vorstand des Instituts für Isotopenforschung und Kernphysik (vormals Radiuminstitut) Univ.-Prof. Walter Kutschera [12] vor. Prof. Perlmutter gab einen Überblick über das wissenschaftliche Wirken der Geehrten in den USA und erklärte dabei nicht nur die Bedeutung der Entwicklungen Blaus, sondern gab auch eine exzellente Zusammenfassung der vielseitigen Anwendungen, die diese erfahren haben. Walter Kutschera spannte einen Bogen von Viktor Hess, dem Entdecker der kosmischen Strahlung, der ebenfalls am Radiuminstitut forschte, über Marietta Blau, der mit der photographischen Methode die Entdeckung der »Zertrümmerungssterne« gelang, bis zu den heutigen Forschungen des Instituts, die sich u.a. mit Spurenisotopen befassen, die durch die kosmische Strahlung in der Atmosphäre produziert werden.

MinR Dr. Wolfgang Reiter [13] ergänzte die Vorstellung des Buches mit seinem Dank an die HerausgeberInnen und die AutorInnen, die Lektorin Dr. Maria Seifert, den Böhlau-Verlag und die unterstützenden Institutionen (Musikverlagszentrum Josef Weinberger, Institut für Isotopenforschung und Kernphysik, Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Universität Wien, Österreichische Zentralbibliothek für Physik). Ein besonderes Anliegen war ihm, die wichtige Funktion der Zentralbibliothek als Anlaufstelle für naturwissenschaftshistorische ForscherInnen zu betonen. Zudem wies er darauf hin, dass die Bibliothek neben ihrer Rolle als Serviceeinrichtung vor allem durch die Sammlung von naturwissenschaftlich-historischem Material eine sehr wichtige Rolle einnimmt.

Die Vorträge wurden durch musikalische Intermezzi des Künstlerehepaares Odile Skarnes-Morimoto und Yuki Morimoto [14] aufgelockert. Den stimmungsvollen Ausklang des Nachmittags bildete ein von Yuki Morimoto eigens für diese Veranstaltung komponiertes Stück.

Das Ende der Veranstaltung verschob sich spät in die Abendstunden: das reichhaltige Buffet förderte eine rege Unterhaltung der TeilnehmerInnen untereinander und mit den Vortragenden.

Robert W. Rosner und Gemahlin

[8] Herausgeber Dr. Rosner mit Gattin

Brigitte Strohmaier

[9] Herausgeberin Prof. Strohmaier

Blick ins Publikum

[10] Blick ins Publikum

Arnold Perlmutter

[11] Prof. Perlmutter

Walter Kutschera

[12] Prof. Kutschera

Wolfgang Reiter

[13] MinR Dr. Reiter

Odile Skarnes-Morimoto und Yuki Morimoto

[14] Stimmungsvoller Ausklang

 

 

Das Buch »Marietta Blau – Sterne der Zertrümmerung« ist als Band 3 der von Wolfgang Kerber und Wolfgang Reiter im Verlag Böhlau herausgegebenen Reihe »Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftsforschung« erhältlich. Buchinfo...

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