Die unerträgliche Bedeutung
der Zitate (1)
1. Einführung: Zitatenanalyse als Teilgebiet
der Bibliometrie
2. Kurze Geschichte
3. Begriffe
4. Zitatenanalyse
5. Anwendungen
6. Evaluative bibliometrische Verfahren:
I.
Die sogenannte "Peer Review" Methode
II. Anzahl der Veröffentlichungen
III. Zitatenanalyse:
Problematik
7. Zitate als Retrievalsmethode
I. Klassische Methoden
II. "Co-Word Analysis"
III. Zitatengruppen- oder
Clusteranalyse
IV. Bibliographische Kopplung
8. Das Verzeichnis der Verzeichnisse: SCI
I.
Der SCI als Datenquelle
II. Aufbau des Verzeichnisses
III.Bibliometrische Indikatoren der JCR
IV. Aufbau von JCR
V. SCI auf CD-ROM
VI. SCI on line
VII.SCI
im Internet
Essential Science Indicators
(ESI)
VIII. Kritik und Problematik
9. Präsentation der Ergebnisse
10. Kommentare
11. Literatur
1. Einführung: Zitatenanalyse als Teilgebiet der Bibliometrie
Wie misst man Wissenschaft und wissenschaftliche Produktion?
Unter Informetrie versteht man die Anwendung mathematischer
Methoden auf die Sachverhalte des Informationswesens.
Sie ist eine Disziplin im Überscheidungsbereich zwischen
Mathematik und Informationswissenschaft.
Spezialgebiet der Informetrie ist die Bibliometrie,
auch Scientometrie genannt (2).Der Begriff
"Bibliometrie" wurde 1969 von A. Pritchard geprägt
(3).
Zweck und Definition der Bibliometrie ist die Anwendung mathematischer
und statistischer Methoden zur Erklärung der
Prozesse der schriftlichen Mitteilungen, sowie der Natur und des
Entwicklungskurses eines Wissenschaftsgebietes, durch Zählung und
Analyse der verschiedenen Aspekte der schriftlichen Kommunikation.
Derzeit hat sich die Bibliometrie als die bedeutendste
Methode für die Bewertung wissenschaftlicher
Arbeiten erwiesen. Sie ist die Metrik des Buchwesens und untersucht
unter Einsatz mathematisch-statistischer Methoden die quantitativen Regelhaftigkeiten
von Printmedien im Informationsstrom in Beziehung
zur Wissenschaftstheorie und Forschung.
Eine modernere Definition von Hawkins lautet: "Quantitative
Analyse der bibliographischen Aspekte eines Literaturthemas"
(4). Diese
Definition hat den Vorteil, daß sie den quantitativen
Aspekt
dieser Wissenschaft hervorhebt.
Die Zitatenanalyse ist ein Gebiet der Bibliometrie, das sich mit dem Studium der Beziehungen zwischen zitierten und zitierenden Arbeiten und ihrer Anwendung alsbibliometrische Untersuchungsmethode beschäftigt. Als bibliometrischen Parameter verwendet die Zitatenanalyse die Zählung der auf eine bestimmte Arbeit, ein bestimmtes Dokument oder einen bestimmten Verfasser entfallenden Zitate. Je größer die Zitierhäufigkeit ist, desto höher wird ihr Wert veranschlagt.
Die erste bibliometrische Untersuchung erschien 1917 und
war eine von Cole und Eales verfaßte Veröffentlichung
einer statistischen Analyse der Literatur über Anatomie in dem Zeitabschnitt
zwischen 1550 und 1860, um die Schwankungen des Interesses in dieser Disziplinzu
zeigen
(6).
P. Gross und E. Gross (7) waren
1927 die ersten, die Zitate als bibliometrische Datenquellen verwendeten.
Sie zählten und analysierten die in den einzelnen Artikeln einer chemischen
Zeitschrift angeführten Zitate, und kamen zu
einer Liste von Zeitschriften die sie als unentbehrlich
für die chemische Ausbildung betrachteten.
1966 war in der Sowjetunion das Buch "Nauka o nauke"
von G.M. Dobrov mit dem Untertitel "Vvedeniev obscee
naukoznanie" erschienen. 1969 wurde diese Veröffentlichung als "Wissenschaftswissenschaft"
zum ersten Male in deutscher Sprache herausgegeben (8).
Nach Dobrov ist die Wissenschafts-wissenschaft die komplexe Untersuchung
und Verallgemeinerung des Funktionierens wissenschaftlicher
Systeme mit dem Ziel, das Potential der Wissenschaft zu
verstärken und die Effizienz des wissenschaftlichen
Prozesses mit Hilfe organisatorischer Mittel zu erhöhen.
Einige Monate früher als Pritchard hatten Nalimov
und Mul'cenko, ebenfalls Russen, den Begriff
Scientometrie
oder Wissenschafts-
metrie (auf russisch "naukometrija") eingeführt
(9).
Nach ihrer Definition ist die Scientometrie (engl. scientometrics) die
Anwendung quantitativer Methoden auf das Studium der
Geschichte der Wissenschaft als Informationsprozeß.
Ein anderer Terminus, der auch häufig (stammt aus
der DDR) verwendet wird, ist die Informetrie(10).
Dieser
Terminus wurde von
Blackert und Siegel (11)
eingeführt, da viele Arbeiten, die
gegenwärtig als bibliometrische gestempelt werden, nicht dem Zweck
dienen,
einen Beitrag zur Bibliothekswissenschaft
zu leisten. Um ihre Beziehung zur Informatik zu betonen,
wird dieses Fachgebiet Informetrie benannt und definiert
als die Lehre der Anwendung mathematischer Methoden
auf die Sachverhalte des Informationswesens zur Beschreibung und Analyse
ihrer Phänomene, zum Auffinden ihrer Gesetze und zur
Unterstützung ihrer Entscheidungen.
Informetrie, Scientometrie und Bibliometrie überschneiden
sich.
Die Verwendung des einen oder anderen
Terminus hängt sehr stark davon ab, welcher Aspekt, der bibliothekarische,
der wissenschaftliche oder der informatische, herauszuheben
ist, deshalb wird in dieser Arbeit von Bibliometrie
gesprochen.
Seitdem hat diese Art von Untersuchungen ständig
mehr Anhänger gefunden. 1969 zählte Pritchard
schon über 700 Items. Heute gibt
es Zeitschriften, die sich nur mit diesem Thema beschäftigen,
wie z.B. Scientometrics, eine Zeitschrift die seit
1978 besteht. Eine vom
Autor selbst durchgeführte
Literaturrecherche in der Datenbank LISA (Library and InformationScienceAbstracts)
nach dem freien
Suchbegriff "scientometric? or bibliometric?" ergab schon
Anfang 1990 1262 Treffer, von denen sich 508 mit Zitatenanalyse
beschäftigen.
Derzeit existiert sogar eine International Society for
Scientometrics and Informetrics ISSI,
die
regelmäßig Tagungen organisiert.
Sehr wichtig ist der Unterschied zwischen Zitat (engl.
citation) und Referenz (engl. reference).
Formale Aufbau einer wissenschaftlichen Veröffentlichung
(engl. paper) zeigt eine standardisierte Struktur:
Titel, Autoren, Anschriften (Affiliation, Corporation),
Abstract, Deskriptoren, Fulltext, Referenzen.
Ein Bestandteil ist die Aufführung der Forschungsergebnisse,
auf denen die Arbeit aufbaut. Es wird verlangt, daß
der Autor die
Verwendung bereits bekannter Methoden oder Resultate
zitiert, die zu seiner Arbeit in enger inhaltlicher
Beziehung stehen. Die Angabe der Zitate erfolgt in der Form eines vereinheitlichten
kurzen Hinweises auf das zitierteDokument und hängt
sehr stark vom zitierenden Verfasser sowie von der Quelleab, denn
jede Zeitschrift oder Datenquelle verwendet besondere
Regeln oder Empfehlungen zur Darstellung derReferenzen
(Notes for Contributors, Instructions for Authors).
Ebenso kann die Plazierung der Referenzen im Text unterschiedlich
sein. Sie können in den fortlaufendenText eingebettet
sein, in einer
Fußnote erscheinen, oder meistens in FormeinerLiteraturliste
am Schluß der Veröffentlichung präsentiert
werden.
Definition:
Enthält die Veröffentlichung X eine bibliographische
Note, in der die Veröffentlichung Y beschrieben
oder verwendet wird, dann enthält X (citing document) eine Referenz
zu Y, und bekommt Y (cited document) ein Zitat von
X.
Die Zitatenanalyse beschäftigt sich mit dem Studium
der Beziehungen zwischen zitierten und zitierenden
Arbeiten und ihrer Anwendung als Untersuchungsmethode. Sie zeigt, welchen
Einfluß die betrachtete Arbeit auf
die wissenschaftliche Gemeinschaft hat. Sie mißt
den "Nutzen" (Auswirkung, Resonanz, Impakt, üblich ist
der englischsprachige Terminus technicus "Impact"),den
diese Arbeit für andere Wissenschaftler hat oder
gehabt hat, sagt aber nichts Endgültiges über ihre Qualität
aus (12). Es ist jedoch sehr wahrscheinlich,
daß eine häufig zitierte Arbeit wichtige
Informationen enthält.
Zitatenanalyse bezeichnet die Auswertung von Zitaten
im Rahmen einer empirischen Untersuchung. Als bibliometrische
Quellen stehen die zitierten und die zitierenden Arbeiten.
Zitatenanalyse können auf verschiedenen Stufen der
Komplexität vorgenommen werden. Auf der untersten
Stufe kann ein einzelnes Dokument,
ein
Zeitschriftenartikel, Buch oder graue Literatur die Einheit
der Analyse sein. Dadurch kann die Frage beantwortet
werden, wie oft, wann und von wem das Dokument zitiert
worden ist.
Auf der nächsten Stufe können alle Veröffentlichungen
eines oder mehrerer Autoren, von Körperschaften
oder Zeitschriften untersucht werden. Schließlich sind Studien
über Universitäten oder alle aus einem Staat
stammenden Veröffentlichungen sowie über Eigenschaften und Entwicklung
bestimmter Wissensgebiete möglich.
Unter den wichtigsten bibliometrischen Anwendungen der Zitatenanalyse sind folgende zu erwähnen (13):
1) Auswahl von Monographien und Zeitschriften in
der bibliothekarischen Erwerbung.
Ein sehr wichtiges Kriterium für
die Erwerbung von Monographien und Zeitschriften, vor allem in
Fachbibliotheken, liefert deren Zitierungshäufigkeit, wie zahlreiche
Untersuchungen dieser Art illustrieren.Zu diesem
Zweck wurde von E. Garfield der sogenannte "Impact
Factor" eingeführt, von dem spätergesprochen
wird (14).
2) Auswertungen von Sammlungen und Bibliographien.
Diese Auswertungsmethoden beruhen vor allem auf der Möglichkeit,
"ranking-lists" (Ranglisten) aufzustellen. Ranglisten werden auch nach
verschiedenen bibliometrischen Indikatoren erstellt
(Beispiele sind bei der Beschreibung vom SCI-JCR
zu finden). Die gebräuchlichsten Ranglisten
sind jene, die nach der Anzahl der erhaltenen Zitate aufgebaut werden.
Solche Listen werden jedoch mehr für die Auswahl als für die
Auswertung von Sammlungen verwendet.
3) Untersuchung der Merkmale von Fachliteraturen.
Eines der am meisten untersuchten Merkmale einer Fachliterartur
ist die sogenannte "Alterung"
(auch "Veralten", engl. obsolescence).
Unter Veralten wird der Verfall mit der Zeit der Gültigkeit
und Benützbarkeit der Information verstanden
(15).
Dies ist sehr wichtig für die Bibliothekare, die
ständig wachsende Sammlungen in beschränkten Räumen führen.
Die Einschätzung der Alterung einer Literatur wird gewöhnlichdurch
die Verminderung der Zitate mit
der Zeit angegeben. Dafür wurde von Brookes der
bibliometrische Indikator, das Halbleben
oder Halbwertszeit (engl.
half life), eingeführt (16), der später
ausführlicher erörtet wird. Diese Untersuchungen können
bei Klärung folgendenen Fragen
helfen: ob eine Zeitschrift
rückwärtig ergänzt werden sollte, ob und welcher Teil einer
Zeitschrift magaziniert oder makuliert werden könnte und ob und wann
eine Zeitschrift gebunden werden sollte.
Als Instrument für den Bestandsaufbau bei Zeitschriften
in wissenschaftlichen Bibliotheken könnte sie die Objektivität
von Entscheidungen vergrößern, da sie unabhängig von den
Einflußnahmen von Benutzergruppen getroffen werden könnten.
4) Historische und soziologische Anwendungen.
Garfield und seine Mitarbeiter vom ISI (Institute for
Scientific Information) haben bewiesen, daß:
a) Zitate eine wichtige Rolle beim Studium der Geschichte
der Wissenschaften spielen können,
b) eine graphische Darstellung (genannt "Historiograph")
eine schnelle Übersicht über die Entwicklung
einer bestimmten Disziplin oder deren Entwicklung in einem Land
ergeben kann,
c) solche graphische Darstellungen in der Praxis problemlos
zu erhalten sind.
Darunter zählt auch die Ermittlung der "klassisch
zitierten" Arbeiten (engl. "citation classics")
einer bestimmten Disziplin
(17).
Solche Arbeiten werden miteiner
größeren Häufigkeit innerhalb eines Fachgebietes
zitiert. Die Festlegung des "klassischen" Niveaus zeigt sich aber nichtso
einfach. So kann eine absoluteHäufigkeit nicht
angenommen werden, da in diesem Fall fast nur Artikel
von bestimmten Zeitschriften (jenen mit sehr hohem Impaktfaktor, d.h. Zeitschriften
die selbst viel häufiger als alle anderen zitiert werden) "citation
classics" wären.
Zu diesem Thema gibt es ausführliche Arbeiten von
E. Garfield (17), die den Einfluß
der tragenden Zeitschrift wie andere
typische Zitatenanalysefaktoren berücksichtigen.
Listen von "citation classics"erscheinen regelmäßig
in der Zeitschrift "Current contents".
5) Andere evaluative bibliometrische Untersuchungen (18).
Diese Anwendungen umfassen auch die Einschätzung
:
a) der Auswirkung einer individuellen Arbeit (19),
b) der Eminenz eines bestimmten Forschers (20)
, und
c) des Prestiges und der Leistung einer bestimmten Forschungsanstalt
, Firma oder eines Landes (21,22,23,24,25,26).
Zitatenanalyse ist heute eine der wichtigsten Methoden
der akademischen Evaluation.
6. Evaluative bibliometrische Verfahren
I. Die sogenannte "Peer Review"
Methode
Diese Methode verwendet seit mehr als 35 Jahren die National
Science Foundation der USA zur Entscheidung, welche
Wissenschaftler Forschungsanträge zur Förderung der Wissenschaften
erhalten, und dient heutzutage zum gleichen Zweck
in den meisten europäischen Ländern, inklusive
Österreich.
Sie funktioniert auf folgende Weise:
Zuerst verfaßt der Kandidat ein schriftliches Ansuchen,
in dem er seine frühere
Tätigkeit, seine Qualifikationen und seine geplante
Forschungsarbeit beschreibt. Dieses Ansuchen erhält der sogenannte
Programm-Direktor. Dieser bestimmt, welchem Fachgebiet die vorgeschlagene
Arbeit angehört, und wählt dann eine Anzahl
von Referenten (Fachleute in diesem Gebiet), die befragt werden, ob der
Vorschlag als ausgezeichnet, sehr gut, gut, annehmbar
oder schlecht bewertet wird. Aufgrund dieser Bewertungen trifft der Programm-Direktor
eine Entscheidung.
Die häufigste Kritik an dieser Methode ist die sogenannte
"old boy" (alte Freunde) Hypothese, nach der eine
Clique von eminenten Wissenschaftlern begünstigt wird. So würden
die Entscheidungen des Programm-Direktors stärker
von dem Antragsteller selbst als von seiner vorgeschlagenen
Arbeit abhängen. Eine ausführliche Diskussion
und Untersuchung über die Gültigkeit dieser
Hypothese ist in dem Artikel von S. Cole (27)
zu finden.
Diese Methode wird aber nicht zur Einschätzung der
Auswirkung einer wissenschaftlichen Arbeit oder
der Verdienste eines Wissenschaftlers verwendet, da
die für ein objektives Ergebnis benötigte
Anzahl der Referenten sehr groß
und deswegen unrealistisch wäre.
II. Anzahl der Veröffentlichungen
Hingegen fügt heutzutage jeder Wissenschaftler seinem
Lebenslauf eine Liste seiner Veröffentlichungen, vor allembei Bewerbungen
und Preisausschreiben, bei, um seine Verdienste zu
dokumentieren.
Die Anzahl der Veröffentlichungen ist der einfachste
und bekannteste Indikator. Sie stellt das Gesamtvolumen
der Forschungsproduktivität dar, ist aber
quantitativer Natur und gibt kaum Information über die Auswirkung
und Qualität dieser Arbeiten.
Erhält der Herausgeber einer wissenschaftlichen
Zeitschrift ein Manuskript zur Veröffentlichung, so wählt
er qualifizierte Referenten aus, die um ihre Fachmeinung
befragt werden. Dem Autor bleibt die Identität der Referenten seiner
Arbeit unbekannt, leider und unverständlicherweise wird aber bei Veröffentlichungen
in den meisten Zeitschriften den Referenten die Identität des Verfassers
der Arbeit nicht verschwiegen, was sehr leicht zu
einer subjektiven Meinungsbildung führen kann.
Dies ist der Grund, warum es junge,
noch unbekannte Wissenschaftler viel schwieriger als schon etablierte haben,
ihre Ergebnisse zu veröffentlichen. Obwohl die Veröffentlichung
in einer wissenschaftlichen Zeitschrift bestimmten Qualitätsanforderungen
obliegt, sind diese aber von einer Zeitschrift zur anderen sehr
unterschiedlich und daher nicht vergleichbar.
Außerdem weist dieser Parameter viele Nachteile
auf, von denen zu erwähnen sind:
a) Die Wiederveröffentlichung derselben Arbeit in
verschiedenen Versionen in mehreren Zeitschriften:
Daß nur die Anzahl der veröffentlichten Arbeiten
als Indikator verwendet wird, kann dazu führen, daß eine Arbeit
mehrmals oder in mehreren Teilen veröffentlicht
wird, um den Wert dieses Parameters zu erhöhen.
Dies beeinträchtigt dessen bibliometrische Aussage.
b) Auch die ständig wachsende Anzahl der Arbeiten,
die von mehreren Autoren verfaßt werden, kann
die Analyse verfälschen, da nicht immer alle Verfasser im
gleichen Ausmaß beigetragen haben, oder, was häufig
der Fall ist, eine Co-Autorschaft willkürlich
angegeben wird.
Trotz dieser Einwände wird dieser Indikator noch
heute verwendet, und dient der Erstellung anderer,
besserer bibliometrischer Parameter.
Nachteil: Die Subjektivität und Willkürlichkeit
der Herausgeber wissenschaftlicher Zeitschriften bei der
Auswahl von den zu
veröffentlichen Arbeiten.
III. Zitatenanalyse
In diesem Falle ist der einfachste Indikator die bloße
Anzahl der Zitate. Wie E. Garfield ganz klar
formuliert, zeigt dieser Indikator, welche Auswirkung eine konkrete
Arbeit auf die wissenschaftliche Gemeinschaft hat; sie
mißt den Nutzen (engl. "impact"), den diese Arbeit
für andere Wissenschaftler hat, denn das Zitieren
in einer wissenschaftlichen Publikation bedeutet dieAnerkennung der Auswirkung
und des Einflusses, die der zitierte Autor auf die betreffende Arbeit ausgeübt
hat (siehe auch Gründe für das Zitieren).
Zitate sind sehr beliebte bibliometrische
Untersuchungsparameter, denn sie sind unaufdringlich
und sehr leicht zuerhalten. Anders als Fragebogen und Befragungen bedürfen
sie nicht der absichtlichen Kooperation des Befragten, was dessen Antwort
beeinflussen könnte.
Sie sind "Wegweiser", die nach jeder
Information hinterlassen wurden, und die als solche
verwendet werden sollen.
Problematik der Zitatenalalyse
Falls die Eigenschaften der Untersuchung es ermöglichen,
sollten bei der Zitatenanalyse zitierende und zitierte
Arbeiten nach Autopsie bearbeitet, und die Zitierungsgründe
nach den oben erwähnten Richtlinien analysiert
werden.
Eine gute Anwendung des Zitatenanalyseverfahrens setzt aber die Kenntnis dieser Probleme voraus, damit, falls möglich, die notwendigen Maßnahmen zu deren Vermeidung getroffen werden können. Nun werden hier die bekanntesten Probleme und Einwände der Zitatenanalyse aufgelistet, sowie ihre üblichen Beseitigungsmethoden:
1) Ein typographischer Fehler kann leicht verursachen, daß ein wichtiges Zitat nicht berücksichtigt wird. Solche Fehler können aber bei jeder EDV- Untersuchung auftreten. Nur eine sorgfältige Durchführung der Arbeit kann dieses Problem vermeiden.
2) Die willkürliche Auslassung eines wichtigen Zitates.
Sie kann aus verschiedenen Gründen eintreten. Die
wichtigsten sind:
a) Die Arbeit, die zitiert werden sollte, ist dem Autor
nicht bekannt. In diesem Fall hat sie wahrscheinlich
nicht die entsprechende Verbreitung gefunden. Die
Zitatenanalyse wird dann deren Verfasser die Notwendigkeit
einer besseren Mitteilung seiner Arbeit
signalisieren. Dieses Phänomen
ist in der Bibliometrie unter dem Namen "Mendelsyndrom" bekannt,
da der berühmte Artikel von Mendel seinerzeit
in einer unbekannten Zeitschrift erschien und unbeachtet
blieb. Dabei sollten die sogenannten "schlummernden" Arbeiten erwähnt
werden. Darunter versteht man Arbeiten, die ursprünglich
sehr wenige Zitate aufzeigten, aber nach einigen Jahren
wiederentdeckt und sehr häufig zitiert werden. Bibliometrische Analysen
ermöglichen ihre Ermittlung
(18).
b) Die Auslöschung durch Eingemeindung oder Einverleibung
(engl. obliteration by incorporation).
Von diesem Phänomen sprach
zum ersten Mal der in der Bibliometrie sehr
berühmte Forscher Merton (34). Damit bezeichnete
er jene Ideen, die so populär, assimiliert und bekannt geworden sind,
daß sie als kollektives Eigentum oder selbstverständliche Hypothese
betrachtet und nicht mehr zitiert werden. Diese Ideen sind aber so bekannt,
daß sich bei ihnen normalerweise eine bibliometrische
Untersuchung erübrigt, oder wenigstens keine gravierende Fehler auftreten
können.
c) Anstatt originaler Arbeiten von unbekannten Autoren
werden "Review-Artikel" von bekannteren Verfassern
zitiert. Unter einem "Review-Artikel" versteht man
einen Artikel, der keine neuen Ergebnisse oder Theorien
enthält, sondern eine retrospektive, kritische
Darstellung der Entwicklung und des Standes
der Forschung in einem bestimmten Gebiet. Es gibt
sogar Zeitschriften, die hauptsächlich diese Art Arbeiten veröffentlichen,
wie z.B. Physics Reports. Solche Artikel,
die einen sehr hohen bibliographischen Wertbesitzen, werden den in diesem
Fach schon bekannten Forschern anvertraut. Aus diesem Grund kann es schon
geschehen, daß der zitierende Autor sich auf
das Zitat des Review-Artikels beschränkt. Diese Art des Zitierens
wird dem sogenannten "Matthew Effekt" zugeschrieben,
nach dem bekannte Wissenschaftler eine übertriebene
Anzahl von Zitaten erhalten (35).
Fällt diese Entscheidung jedoch nicht nur aus Bequemlichkeitsgründen,
so entspricht sie der Beurteilung der Arbeit durch
den zitierenden Autor. Fände er diese Arbeit sehr wichtig,würde
er sich nicht mit dem Review-Artikel begnügen
sondern das Original zitieren.Außerdem tragen Review-Artikel zur
Verbreitung nicht sehr bekannter Arbeiten bei, und
so wie sie ihnen Zitate entnehmen, so werden auch andere
ermöglichen. Ein Zitat des Review-Artikels führt
nicht immerzueiner willkürlichen Weglassung des Originalzitates, und
die
Nicht-Berücksichtigung des Review-Artikels
auch nicht automatisch zu einem Zitat des Originals,
das trotzdem einfach ignoriert bleiben könnte.
d) Die Unzugänglichkeit der Dokumente.
Manche Dokumente sind dem zitierenden Verfasser wegen
ihrer Sprache, ihrer "tragenden" Zeitschrift (einer
eher unbekannten und nicht leicht erhältlichen
Zeitschrift) oder Quelle (Report, Preprint,
Dissertation oder irgendeine graue Literatur), oder wegen Geheimhaltung
nicht leicht zugänglich, und werden aus diesen Gründen
nicht zitiert.
e) Die künstliche Beschränkung der Anzahl der
Zitate.
Die meisten Autoren gehen sehr sparsam mit der Anzahl
der Zitate um. Falls die Arbeit eine bestimmte
Länge nicht überschreiten soll, wird sicherbei den Referenzen
gespart, was vom Gesichtspunkt des Verfassers verständlich
ist. Wie die meisten durchgeführten Versuche zeigen,
fehlt es an einer Erziehung des
Zitierens, die nichts anderes als Berücksichtigung und
Anerkennung der Arbeiten der Kollegen bedeuten würde.
f) Ein wichtiger Einwand gegen die Zitatenanalyse ist
die absichtliche Weglassung von Zitaten aus Konkurrenzgründen.
In fast jedem Gebiet der Wissenschaft bilden sich häufig Gruppen von
Wissenschaftlern, die einander konkurrieren und deshalb wenig, wenn nicht
gar kein Interesse haben, die Ergebnisse oderVerdienste
ihrer Konkurrenten zu verbreiten oder zuzitieren.
Gegen solche Vorkommnisse zeigt die Zitatenanalyse kein
Rezept auf. Die Lösung dieses Problems
kann nur von den Wissenschaftlern selber kommen, die
bemerken werden, daß andere Gruppen, die nicht
dieses Konkurrenzdenken ausüben, mehr Einfluß
auf die moderne
Wissenschaft haben, und bei Preisauszeichnungen
und Ehrungen sogar von ihrem "Zitatenkrieg" profitieren
könnten.
Wie schon oben erwähnt, werden ausgewählte
Referenten um Überprüfung eines eingereichten
Manuskripts ersucht. Manchmal werden zitierte Autoren
als Referenten genommen. Diese sollten nicht nur über
die Qualität der Arbeit ihre Meinung äußern,
sondern auch die Bibliographie der Arbeit (in diesem
Fall wird das Wort Bibliographie für die Anzahl
der Referenzen verwendet) überprüfen und ergänzen. Dies
würde die unberechtigte Auslassung von Zitaten
wenn nicht ausschließen, so doch wenigstens stark
verringern. Die Möglichkeit der
Einführung eines automatischen oder
semi-automatischen Retrieval-Systems für eine Verbesserung der angegebenen
Referenzen wurde schon diskutiert
(36).
Die einfachste Methode wäre die Suche nach anderen Artikeln,
die auch einige oder alle diese Referenzen enthalten.
Diese Art von Analyse ist als "Co-Citation"-Analyse (oder
Clusteranalyse) bekannt und wird später ausführlicher
erklärt. Die Referenten sollen demnach entscheiden, ob der Autor der
eingereichten Veröffentlichung diese ermittelten Arbeiten auch zitieren
müssen hätte, und
ihm diese bekanntgeben.
Es ist aber sehr unwahrscheinlich, daß die Herausgeber
die entstehenden Suchkosten freiwillig auf sich nehmen.
Deswegen werden derzeit andere, einfachere und billigere
Methoden mittels Expert-Systeme vorgeschlagen, um
die Qualität der Referenzen einer Veröffentlichung
zu kontrollieren.
In seiner schon oben erwähnten
Untersuchung über die Zitierungsgründe hat sich P.Vinkler
(32)
auch
mit den Gründen für die Auslassung eines Zitats
beschäftigt. Er fand, daß Zitate aus folgenden Gründen
ausgelassen werden:
- 10%, weil die Arbeit noch nicht bekannt war (in dieser
Arbeit Grund a)
- 42 %, weil der Autor diese Arbeit nicht so wichtig
fand
- 26 %, durch Eingemeindung (b)
- 6 %, weil das Dokument nicht verfügbar war (d)
- 6 %, weil das Dokument falsche Behauptungen beeinhaltet
- 10 %, aus anderen Gründen.
In der Studie von Vinkler fehlt leider der Grund, nach
dem eher der Review- Artikel eines bekannteren Wissenschaftlers
bevorzugt wird. Dieses Ergebnis zeigt jedoch, daß
nur etwa 50% der Auslassungen korrekt waren.
3) Das Selbstzitieren.
Zu einem gewissen Grade ist das Selbstzitieren gerechtfertigt,
weil eine Veröffentlichung oft auf
früheren Arbeiten des Verfassers beruht. Das Selbstzitieren
kann aber die Anzahl der Zitate kaum wesentlich erhöhen,
und so die bibliometrische Untersuchung verfälschen
(37).
Außerdem wäre Ausschließen
der Selbstzitate EDV-mäßig sehr leicht zu erreichen. Bei einer
On-Line-Recherche würde der Befehl " Not Author= " genügen, um
Selbstzitate ausscheiden zu lassen.
Schwieriger zeigt sich die Auscheidung von Selbstzitaten
bei Arbeiten, bei denen der Autor nicht als Erstgenannter
aufscheint. Dieses Problem fällt aber schon unter:
4) Die Mehrverfasserschaft
Sie wurde schon bei der Verwendung der Anzahl der Veröffentlichungen
als bibliometrischer Indikator als Schwierigkeit erwähnt.
Sie kann auch die Interpretation von Zitatenanalysen beeinflussen, wie
D. Lindsey (38) in seiner Untersuchung gezeigt
hat.
Vor der Durchführung einer Zitatenanalyse über
das Werk eines bestimmten Wissenschaftlers wird dessen
Bibliographie benötigt, um seine Arbeiten mit anderen Autoren nachweisen
zu können. Falls alle Arbeiten, bei denen
er als Co-Autor mitgewirkt hat, nachgewiesen wurden, wie
kann sein eigener Verdienst bei jedem Beitrag eingeschätzt und angerechnet
werden?
Lindsey plädiert für die Einführung einer
Korrektur für Mehrverfasserschaft. Solange dereinzelne
Beitrag jedes Mitwirkenden nicht herauszufinden ist, scheint ihm eine Teilung
der Zitate durch die Anzahl der Autoren logisch.
5) Gefälligkeitszitierung oder willkürliche
Schenkung von Zitaten.
Aus Sympathie- oder Allianzgründen können Wissenschaftler
einander in übertriebenen Verhältnissen
zitieren. Diese Überzitierung ist das Gegenteil
von der Auslassung von Zitaten aus Konkurrenzgründen
(siehe 2)e)), und für sie gelten die gleichen
Kommentare, wie sie schon im obigen Paragraphen
diskutiert wurden.
6) Kritische und negative Zitate.
Es wird häufig angenommen, daß kritische und
negative Zitate eine Verfälschung der Zitatenanalyse
zugunsten der "schlechten" Arbeiten bewirken könnten.
Jedoch zeigt die Erfahrung, daß "schlechte Arbeiten"
kaum zitiert werden (18). Die meisten Wissenschaftler
finden
keine Zeit, sich mit solchen
Arbeiten zu beschäftigen oder ihnen Beachtung
zu schenken.
Kritische Zitate sind viel häufiger, haben aber
auch bibliometrischen Wert. Kritisch zitierte Arbeiten waren für die
zitierenden Autoren genügend wertvoll,
um bestritten zu werden, vielleicht weil sie aus ihren Fehlern
gelernt haben, oder ganz einfach als Referenz oder Vergleich benützt
werden konnten.
7) Die Abhängigkeit vom Fachgebiet.
Es wurde schon mehrmals signalisiert, daß die Zitatenanalyse
sehr stark vom Fachgebiet abhängt
(39,40).
Zum Beispiel erhalten in der Biochemie Artikel
im Durchschnitt mehr als 30 Referenzen, in der Mathematik
hingegen weniger als 10. Genauso wird in manchen
Gebieten viel häufiger veröffentlicht
als in anderen. In der Physik zum Beispiel enthalten die Arbeiten über
Festkörperphysik viel weniger Zitate als jene
über Kern- oder Hochenergiephysik;
diese letzten sollen jedoch mehr organische Zitate
als jene über Kern- und Festkörperphysik
enthalten (31).
Die Alterung der Literatur hängt auch vom Fachgebiet
ab. Berücksichtigt man das Alter der zitierten Dokumente, findet man,
daß ein großer Anteil der Zitate auf Literatur der letzten
Jahre entfällt.
Zum Beispiel beträgt die mittlere
Halbwertszeit in der Physik 4.6 Jahre (d.h. die Hälfte
der Referenzen in physikalischen Zeitschriften datieren von den 4.6 Jahren
nach Erscheinen des Artikels), in der Chemie 8.1 Jahre (41).
Diesen aus der Kernphysik stammenden Konzept der Halbwertszeit
oder
Halbleben, hat Price für die Einschätzung
der sogenannten "Härte" einer Wissenschaft (engl.hard
science) verwendet (42). Nach seiner Definition
weisen große Halbwertszeiten auf wenig "harte", wenig "wissenschaftliche"
Zeitschriften hin. Während z. B. in den physikalischen
Zeitschriften 60% der Referenzen aus den ersten
5 Jahren stammen, sind es
in der englischen Literatur nur 10% . Nach Price ist
die Physik die "harte Wissenschaft par excellence"(sehr
wissenschaftlich), während die englische Literatur eine "nicht
so harte" ist.
Meiner Meinung nach sollte sehr klar bleiben, daß
die Härte nicht dem Grad "wie wissenschaftlich
eine Wissenschaft ist" entspricht, sondern deren Aktualität
und vor allem deren Finanzierung, d.h. dem wirtschaftlichen
Stand dieser Disziplin.
Solche Unterscheidungen bewirken, daß die Wahrscheinlichkeit
des Erhaltens eines Zitates vom
Fachgebiet abhängt. Interdisziplinäre Zitatenanalyse
sollte diese Tatsache nicht unbeachtet lassen.
8) Die Abhängigkeit vom Informationsträger.
Nicht alle Informationsträger werden gleich oft
zitiert (39). So werden Zeitschriften und Bücher
mehr zitiert als Reports, Tagungen, und "graue" Literatur.
Selbst bei den Zeitschriften allein gibt es große Unterschiede,
wie z. B.: die geographischen; so ist die Anzahl
der Zitate in russischen Zeitschriften viel kleiner
als in amerikanischen, europäischen oder japanischen.
Dafür enthalten die amerikanischen Zeitschriften
im Durchschnitt mehr organische Zitate als die russischen.
Selbst bei den aus gleichem Landstammenden Zeitschriften
gibt es welche, die viel häufiger gelesen werden, und deshalb eine
größere Wahrscheinlichkeit des Erhaltens von Zitaten aufweisen.
Um den Impakt der Zeitschriften einschätzen zu können, wurde
der sogenannte
Impaktfaktor
(engl. impact factor)
einer Zeitschrift von E. Garfield eingeführt
(43).
Die Anzahl der Zitate, welche die Gesamtheit der Artikel
einer wissenschaftlichen Zeitschrift erhält,
könnte schon als ein Indikator ihrer Benützbarkeit
betrachtet werden. Allerdings würden dann umfangreiche
Zeitschriften (Zeitschriften mit vielen Artikeln) von vornherein
bevorzugt werden gegenüber
solchen, die nur wenige Artikel enthalten, und häufig erscheinende
Periodika gegenüber seltener erscheinenden. Aus diesem Grund wird
die Anzahl der Zitate, die in einem bestimmten
Zeitraum (üblicherweise ein Zitierungsjahr) auf
die Artikel eines Journals aus einem davorliegenden
Zeitraum (üblicherweise die beiden Jahre vor dem
Zitierungsjahr) fallen, durch die Anzahl dieser Artikel
dividiert. Dieser relative Wert wird "impact factor" genannt. Der "impact
factor" selbst berücksichtigt nicht den
Einfluß von Review-Artikeln.
Jährlich erscheinen SCI/JCR Ranglisten nach diesen bibliometrischen
Indikatoren der wichtigsten Zeitschriften, die in
die Zitatenanalysen miteinbezogen werden und die Abhängigkeit vom
Informationsträger berücksichtigen.
Hier ist auch das nach Garfield benannte "Garfield's
law of concentration" (Konzentrationsgesetz)
zu berücksichtigen, das nichts anderes als eine Erweiterung des Bradfordschen
Gesetzes ist, und nach dem eine relativ kleine
Anzahl von Zeitschriften für die
große Mehrheit der Veröffentlichungen
in einem bestimmten Fachgebiet sorgt, eine überproportional
große Zahl von Zitaten auf sich vereinigt und dadurch einen sehr
hohen "Impact Factor" erhält (17).
Dieser Konzentrationseffekt wird verwendet, um die sogenannten
"Kernzeitschriften" eines Fachgebietes zu ermitteln.
Diese Tatsache würde Veröffentlichungen aus
diesen "privilegierten" Zeitschriften bei Zitatenanalysen,
wie zum Beispiel der Auswahl der "citation classics"
sehr stark begünstigen. Um dieses Problem zu
vermeiden, wird es in diesem Fall (Zeitschriften mit
kleinem Impaktfaktor) die klassische Häufigkeitszitierungsgrenze
auf 100 statt der üblichen 400 herabgesetzt.
9) Die Abhängigkeit von der Art der Arbeit.
Es wird behauptet, daß methodologische Arbeiten
immer häufiger zitiert werden, während Theorien
und Begriffe durch Eingemeindung im Vergleich weniger Zitate erhalten.
Als Illustration dieser Tatsache wird immer die Arbeit von O.H. Lowry erwähnt,
in der eine neue Methode zur quantitativen Eiweißbestimmung dargelegt
wird und welche einen Rekord an Zitate (mehr als 100.000
seit 1951) erhält.
Der große Impakt dieser Arbeit bezieht sich nicht
darauf, eine methodologische Arbeit zu sein, sondern
eine neue Orientierung in diesem Gebiet eröffnet
zu haben. Daß diese Arbeit mehr als z. B. die
berühmte von Einstein zitiert wird, bedeutet aber sicher nicht,daß
sie
wichtiger ist. Diese Tatsache, am allerhäufigsten
zitiert zu werden, drückt einfach aus, daß
sich mit dieser Arbeit derzeit sehr viele Forscher befassen,
und daß sich darin die aktuellen Interessen
der wissenschaftlichen Gemeinschaft widerspiegeln (17).
Eine ungewöhnlich hohe Zitierungshäufigkeit einer
bestimmten Arbeit könnte auch unter besonderen
Bedingungen als Anomalie betrachtet werden.
Um diese Probleme (7, 8 und 9) zu vermeiden, schlagen
Small & Sweeney den "fractional citation counting" vor. Bei
der "Teilanzahl der Zitate" wird nicht die Summe der Zitate sondern deren
Bruchteil als Referenz (d.h. 1 dividiert durch die Länge der Referenzliste)
berücksichtigt.
Erscheint das Zitat in einer Liste von 14 Referenzen,
so beträgt dessen "fractional citation countig" nur 1/14.
(Beispiel)
Eine andere Möglichkeit, diese Probleme zu berücksichtigen, ist die Verwendung des sogenannten "bibliometrischen Umfeldes" ("Environmentof a scientific publication")(44). Dieses Umfeld bildet die für jede Analyse ausgewählte Sammlung von wissenschaftlichen Arbeiten, mit denen die betrachteten Arbeiten verglichen werden. Obwohl viele Methoden zur Definition dieses Umfelds vorgeschlagen wurden, hängt seine Auswahl sehr stark von Eigenschaft und Zweck der Studie ab.
Abschließend möchte ich folgende Worten von
E. Garfield (45) zitieren:
"...The citation is a precise, unambiguous representation
of subject that requires no interpretation and is immune to changes in
terminology. In addition, the citation will retains its precision over
time. It also can be used in documents written in different languages.."
7. Zitate als Retrievalsmethode
Zu den klassischen Retrievalmethoden zählen:
I. Klassische Methoden
Schlagwörter, numerische Klassifikationen (Codes),
Stichwörter, Deskriptoren (Thesauri), Volltext-Suche
II. "Co-Word Analysis
Diese Methode wurde von der CSI (Centre de Sociologie
de l'Innovation) entwickelt. Stichwörter oder
Kodewörter werden als Ergebnis der Inhaltsanalyse der Veröffentlichungen
eingeführt.
Die Häufigkeit des gemeinsamen
Erscheinens dieser Wörter wird verwendet, um einen "map-index"
des Gebietes zu bekommen (39,48). Diese Art
Stichwörter eignet sich sehr gut für die
neuen Computertechniken. So hat die CSI eine computerunterstützte
Version dieses Verfahrens namens LEXINET entwickelt.
Vorteile dieser Methode sind:
a) keine Verzögerung gegenüber der Erscheinung,
und
b) nicht nur Zeitschriften, sondern jeder Informationsträger
ist leicht zu erfassen.
Im WWW verwenden die meisten Suchmaschinen die sogenannte
"unscharfe Recherche" ("fuzzy-Search"), deren Verfahren ähnlich
ist. Bei dieser kommt es nicht auf die Gesamtanzahl der gefundenenDokumente
an (diese Menge wird immer größer, je mehr Suchbegriffe
eingegeben werden), sondern auf die Reihenfolge der Anzeige der Treffer,
die nach der Relevanz sortiert werden. Die Relevanz ist der Schlüssel
zur Enthüllung der Arbeitsweise der Suchmaschinen.
Wie funktioniert sie?
Jedes Wort erhält ein numerisches Gewicht. Dieses
hängt sowohl vom Wort selbst (häufig erscheinendes
Wort = kleines Gewicht) als auch von seiner Eintragungsordnung auf der
Suchmaske ab. Robots (Programme) suchen Dokumente
in denen sich diese Wörter befinden. Sie
zählen und bewerten die Häufigkeit ihres Erscheinens und die
Stelle, an der sie gefunden worden sind (z. B. wird ein Treffer
in der Überschrift höher bewertet als am Ende des Textes). Aufgrund
von Gewicht und Erscheinungshäufigkeit werden die Relevance-Rankings
ermittelt, d.h. die Listen der Treffer nach deren Relevanz sortiert und
geordnet. Üblicherweise erscheint bei jedem
Treffer der errechnete "score" (Prozentwert)
der ermittelten Relevanz.
(aus: Schlögl, Christian: "Gefahren und Nutzen
von bibliometrischen Untersuchungen am Beispiel Informationsmanagement",
26. Österreichischer Bibliothekartag "Produktionsfaktor Wissen",
UniversitätsCampus Wien, 19. - 23. September 2000)
III. Zitatengruppen-
oder Clusteranalyse (engl. cluster oder co-citation
analyse)
Diese Analyse beruht auf zwei Hypothesen:
1) werden zwei Arbeiten von einer dritten gemeinsam zitiert,
so gibt es eine kognitive Verknüpfung zwischen beiden, und
2) die Stärke dieser Verknüpfung wird von der
Häufigkeit angegeben, mit der die beiden Zeitschriften zusammen zitiert
werden.
(Garfield's Formel: S = Co-citations
of A+B / (Totalcitations A+B) - (Co-citations of A+B))
Die Gruppe von Arbeiten, die mit einer bestimmten, festgelegten
Häufigkeit gemeinsam zitiert werden, bildet ein
Cluster.
Das Konzept der Cluster oder Gruppen des gemeinsamen Zitierens wurde gleichzeitig
von G. Small in Philadelphia und von I.W. Marschakowa
in Moskau entwickelt (1973). So werden Cluster
oder Verbindungen zwischen Clustern aufgebaut. Die Cluster
beziehen sich auf
Fächer oder Gebiete, ihre Verbindungen auf interdisziplinäre
Beziehungen.
Diese Analyse bietet die Möglichkeit, die Struktur
der Fachgebiete und deren Beziehung zueinander zu
erforschen, sowie die neuen Brennpunkte der Forschungsfronten zu identifizieren
(39).
Im "ISI-Atlas of science" wurden verschiedene
Ebenen von Clustern verwendet, um "Vernetzungskarten" (engl. nested
maps) aufzubauen (mapping science)
(53).

IV. Bibliographische
Kopplung (engl. bibliographic coupling)
Dieser Terminus wurde von Kessler 1963 eingeführt.
Zwei Dokumente sind bibliographisch gekoppelt, wenn ihre Referenzenlisteneine
oder mehrere Arbeiten teilen. In der bibliographischen Kopplung werden
jüngere Arbeiten verbunden, da sie gleiche ältere zitieren.
In der Clusteranalyse werden hingegen ältere
Arbeiten verbunden, da sie später von jüngeren Arbeiten zusammen
zitiert werden
(13).
Die bibliographische Kopplung ist eine innere, statische
Verbindung der Dokumente, während die Clusteranalyse
eine äußere, dynamische ist (47).
Der Nachteil der bibliographischen Kopplung ist, daß
sie subjektiver Art ist. Die Beziehung zwischen den
Dokumenten erfolgt nach den Angaben ihrer eigenen
Autoren (die Referenzenwerden vom Autor selbst angegeben).
Die bibliographische Kopplung wird im SCI unter dem Befehl
"Related
Records"
(Themenverwandte Dokumente) verwirklicht.
8. DAS VERZEICHNIS DER VERZEICHNISSE: SCI
I. Der SCI als Datenquelle
Der SCI (SCIENCE CITATION INDEX: an international interdisciplinary
index to the literature of science, medicine, agriculture,
technology, and the behavioral and social sciences)
wird von ISI (= Institute
for Scientific Information, Philadelphia) seit 1963
herausgegeben (What
's hot in research, The
Scientist).
Als Vater dieses Verzeichnisses gilt der amerikanische
Chemiker und Bibliothekar Eugen
Garfield.

Der SCI ist eine internationale Zeitschrifteninhaltsbibliographie
mit fachlicher Beschränkung auf die Naturwissenschaft,
Technik,
Medizin und die Verhaltenswissenschaft. Er ist eine fachübergreifende
Sammlung bibliographischer Daten aus Fachzeitschriften, die in gedruckter
sowie maschinenlesbarer Form als Datenbank angeboten wird. Zum naturwissenschaftlich
orientierten SCI kam 1973 der Social Science Citation Index (SSCI) (bis
1972 waren auch die Sozialwissenschaften einbezogen) und 1978 der Arts
and Humanities Citation Index (A&HCI) dazu. Zur Erstellung wird zur
Zeit insgesamt ein Kernsatz von zusammen 8000 Fachzeitschriften ausgewertet.
Für die naturwissenschaftlichen Disziplinen einschließlich Medizin
sind es rund 5300 Zeitschriften mit zur Zeit jährlich ca. 650.000
Veröffentlichungen und über 12 Millionen Zitierungen. Dieser
Kernsatz umfaßt zwar nur etwa 10 Prozent der gegenwärtig weltweit
periodisch erscheinenden wissenschaftlichen Zeitschriften, deckt damit
aber mehr als 90 Prozent aller Zitierungen ab. Die Auswahl der Kernzeitschriften
ist nicht statisch, sondern wird jährlich nach einer Reihe von Kriterien
aktualisiert, wobei die Zitierhäufigkeiten eine wesentliche Rolle
spielen.
Es scheint zunächst widersinnig, daß eine
Datenbank, die selbst keine inhaltliche Wertung von Forschungsergebnissen
vornimmt, trotzdem als Instrument für eine Bewertung geeignet sein
kann. Doch es gibt ein wesentliches Merkmal, das den SCI von anderen Literatur-Datenbanken
unterscheidet und ihn zugleich einmalig macht: In dieser Datenbank sind
von jedem Originalartikel neben den bibliographischen Angaben (Titel, Autoren,
Quelle) und dem Abstract (Inhaltskurzfassung) zusätzlich die Liste
aller Literaturverweise (Referenzen) im Anhang der Publikationen gespeichert
und suchbar. Dieser Referenzenteil ist sozusagen das Markenzeichen des
SCI, der damit die Doppelfunktion einer Literatur- und einer Referenzen-Datenbank
einnimmt. Dadurch ist es möglich, alle Veröffentlichungen zu
finden, die eine bestimmte Publikation (oder die Publikationen eines Wissenschaftlers,
eines Instituts oder eines Fachgebietes usw.) zitieren.
Dieser Index besteht aus folgenden Teilen:
1) SOURCE INDEX: seit 1955 - (bald seit 1945!)
enthält die zitierende Literatur:
Aufsätze aus ca. 3.300 Periodika
aus
allen Ländern in originallen Sprachen
Fachliche Beschränkung auf d. Naturwiss.,Technik,
Medizin, Verhaltenswiss.
Interdisziplinäres Verzeichnis
Titelaufnahme:
Verfasser, Mitverfasser, ST (engl. + Originalsprache),
Art d.Beitrages (Letter, Note, Review), Quelle (Abkürzung),
Band, Heft-Nr.,
Seitenangabe, Jahrgang, Anzahl der Referenzen,Anschrift
des ersten Verfassers
+ Verzeichnung der Co-Autoren (Verw. auf 1.Verf.)
+ Referenzenliste
+ Abstract (in CD-ROM)
Aufbau:
Guide
Liste of source publications
Source publications (Abkürzungen)
Publisher address directory
Source publications (full title)
Source publications (by subject category)
Source publications (by country origin)
Source Index:
Anhang: Aufsätze ohne Verfasserangabe (ST der Zsn)
Hauptteil: "
mit "
+ Rezensionen aus 2 Zsn: "Nature" und "Science"
2) CITATION INDEX:
enthält die zitierte Literatur.
Sämtliche in den Aufsätzen zitierte Schriften
ohne Einschränkungen, aus allen Ländern,
in allen Sprachen, aus allen Erscheinungsjahren,
aus allen Schriftenklassen
Titelaufnahme:
Erst genannter Verfasser (NUR DER ERSTE), Ersch.-
Jahr, ST oder Zsn-ST (kein T. d. Aufsätze),
Band, Seite
Aufbau:
Hauptteil:
Verfasser-Schriften außer Patenten
Anhang: Anonymous: ST-Schriften (Aufsätze unter
dem ST d. Zsn)
Anhang: Patent citation index
3) CORPORATE INDEX:
Register zum Source Index:
Titelaufnahme
Hauptteil:
"Geographic section": Institutionen, denen die Autoren
d. Aufsätze des Source Index angehören
Nebenteil:
"Organization section": Institutionen nach Namen,verweist
auf "Geogr. Section"
(Folien
5 + 6)
4) PERMUTERM SUBJECT INDEX
(PSI):
1965 -
Stichtwortregister "Permuterm"
als Sach-Erschließung
List of full stop words
List of semi-stop words
(verweist auf d. 1.Verf.)
5) JCR - JOURNAL CITATION REPORTS (JCR):
A bibliometric analysis of science journals in
the ISI database.
seit 1975
statistische Analyse der erschlossenen Zitierzusammenhänge
"ranking lists" (Rang nach verschiedenen Parametern)
Kumulierungen des Titelmaterials u. aller Register
(Papierform):
jährlich + 5-Jahres-Kum.
10-Jahres-Kum.: 1955-64
Die Berichtszeiträume der vier Teile des SCI
sind:
1) Source Index (Quellen-Index): ab 1955
2) Permuterm subject index: ab 1966
3) Citation index: ohne rückwärtige Grenze
4) Journal Citation Reports: ab 1975.
Seit 1973: SSCI - Social Sciences Citation Index (Sozialwissenschaften)
Seit 1978: AHCI - Arts and Humanities CitationIndex (geisteswiss. Fachgebiete)
III. Bibliometrische Indikatoren
der JCR
Definitionen der verwendeten bibliometrischen Indikatoren:
Die Zitierrate (Total Citations): Zahl aller Zitate, die auf eine bestimmte Zeitschrift oder ein bestimmntes Dokument im untersuchten Zeitperiode entfallen sind.
Impact Factor(Impaktfaktor):
Anzahl
d. Zitate / Anzahl d. Artikel
Anzahl d. Zitate = alle Zitate, die in dem Zitierungsjahr
auf die Artikel des betrachteten Journals in einem
bestimmten Zeitraum
(die beiden Jahre vor dem Zitierungsjahr)
entfallen sind / Anzahl d. Artikel in diesen zwei Jahren
Zwei Jahre werden als Zeitraum betrachtet.
Garfield rechtfertigt dies damit, daß der durchschnittliche
Artikel am häufigsten während der zwei Jahren nach seinem Erscheinungsjahr
zitiert wird.
Immediacy Index (Unmittelbarkeitsfaktor):
Wie viele Artikel einer Zeitschrift noch
innerhalb desselben Jahres zitiert worden sind; dabei
wird die Anzahl der Zitate, die in diesem Jahr für Artikel aus
dem gleichen Jahr gezählt wurden durchdie Anzahl der in dieser Zs
im gleichen Jahr veröffentlichten Artikel dividiert( ist
> 1, wenn einzelne Artikel noch imselben Jahr
mehrmals zitiert werden).
Dieser Indikator soll ein Maß dafür sein,
wie schnell der durchschnittliche Artikel einer bestimmten
Zeitschrift zitiert wird, d.h. mißt die
Geschwindigkeit der Informationsverbreitung.
Zeitschriften, die wichtige
Informationen über neueste Forschungsarbeiten
publizieren, werden die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler
schneller auf sich ziehen.
Half-Life (Halbwertszeit):
Man spricht vom Altern der Information und in Analogie
zum radioaktiven Zerfall auch von der Halbwertszeit wissenschaftlicher
Literatur und meint damit die Zeit, nach der die Zitierungsrate auf die
Hälfte ihres anfänglichen Wertes abgesunken ist.
Die oben genannten Indikatoren benachteiligen Zeitschriften
in Fachgebieten mit großen Halbwertszeiten,
da sie insgesamt nur die drei aktuellsten Jahre berücksichtigen.
Um für solche Zeitschriften größere Zeiträume einzubeziehen,
werden "Citing Half-life" und "Cited Half-life" eingeführt.
Citing
Half-life bezieht sich auf die Alterstruktur der Referenzen in
einer Zeitschrift und bestimmt, vom aktuellen Jahr an rückwärts
gerechnet, den Zeitraum, in dem sich 50% aller Referenzen befinden
(Zeit, von der die Hälfte der Referenzen einer Zeitschrift in
dem betrachteten Jahr stammen).
Cited Half-life bezieht sich auf die Altersstruktur
der Zitate, die auf eine Zeitschrift entfallen und bezeichnet analog den
Zeitraum, in dem 50% aller Zitate liegen. Beide
messen das Veralten (engl. "obsolescence") und die
"Härte" (engl. "hardness") der Zeitschrift.
IV. Aufbau von JCR
Die Zitierdaten der untersuchten Zeitschriften werden
dem Benutzer in folgenden Abschnitten angeboten:
1. Abschnitt: "Journal Rankings"
Er dient als Überblick über die wichtigsten
Daten und listet sie nach sechs verschiedenen Kriterien auf:
Liste 1 ordnet die Zeitschriften
in alphabetischer Ordnung.(Folie 11 + 12)
Liste 2 ordnet die Daten nach Gesamtzitaten.
Liste 3 nach Impact Factor
Liste 4 nach Inmediacy Index
Liste 5 nach der Anzahl der veröffentlichten Artikel
Liste 6 nach der Zahl der auf die beiden vorangegangenen
Jahre entfallenen Zitate
2. Abschnitt: "Source data listing"
Er liefert eine Referenzenanalyse aller Quellenzeitschriften.
Jeder Artikel wird Review oder Non-review Artikel klassifiziert.
Als "Sammelreferat" gilt ein Artikel, der mehr als 100 Referenzen
oder das Wort "review" im Sachtitel oder in seiner Beschreibung enthält.
Für jede Artikelklasse sowie für beide Klassen
gemeinsam wird die Zahl der Artikel, die Anzahl der darin erscheinenden
Zitate und der Quotient aus diesen Werten bestimmt.
Dieser Abschnitt beantwortet die Frage, ob und in welchem
Umfang eine Zeitschrift Review-Artikel veröffentlicht.
3. Abschnitt: "Journal half-life
listing"
Dieser Abschnitt bietet in drei Listen Informationen
über Halbwertszeiten von Referenzen und Zitierungen von Zeitschriften.
Liste 1 listet für die zehn aktuellsten Jahre die
kumulierten Prozentanteile an den Gesamtreferenzen auf. Daraus wird für
jede Zeitschrift, die mindestens 100 mal in diesem Jahre zitiert worden
sind, das Citing Half-life bestimmt.
Liste 2 listet die kumulierten Prozentanteile an den
Gesamtzitierungen auf. Daraus wird, für jede
Zeitschrift, das Cited Half-life bestimmt.
Liste 3 ordnet die Zeitschriften nach diesem Merkmal.
4. Abschnitt: "Subject category
listing"
Er ordnet die ausgewerteten Zeitschriften einem oder
mehreren Fachgebieten zu. Innerhalb der Gruppe werden die Zeitschriften
nach deren Impact Factor gereiht. Das Cited Half-life wird auch angegeben.
Ein Register zu dieser Liste
verzeichnet zu jeder Zeitschrift die ihr zugeordneten Fachgebiete.
5. Abschnitt: "Citing journal listing"
Für jede Zeitschrift erfolgen die Angaben, welche
Zeitschriften und wie häufig sie zitiert hat.
(Folie 17)
6. Abschnitt: "Cited journal listing"
Für jede Zeitschrift erfolgen die Angaben, von welchen
Zeitschriften und wie häufig sie zitiert wurde.
Zusätzlich werden alle verzeichneten Zeitschriften nach
deren Abkürzung aufgelistet (List of the full titles of citing/cited
journals arranged alphabetically by abbreviation).
Die Abkürzung verweist auf den Volltitel. Titeländerungen
werden auch alphabetisch verzeichnet (Journal Titel Changes)
V. SCI auf CD-ROM

Optionen der "Results" via "Toolbar":
Related Records and Parent Records

Anzeige der zitierten Dokumente:
Optionen bei Print/Save (alte CD-ROM Version)
Als Beispiele dienen folgende Online
Recherchen in SCI:
1) Wie häufig
wird Prof. Hans-Peter Karnthaler zitiert?
2) Wie häufig
wird Albert Einstein zitiert?
SCI ist im Internet unter Web of Science (Web of Knowledge) zu finden:
Web
of Science:
The Web of Science (WoS) provides access to over 22 Million bibliographic records
covering all fields of research from the past 25 years. It includes the Science
Citation Index Expanded, the Social Sciences Citation Index and the Arts &
Humanities Citation Index.
JCR
: Journal Citation Reports :
The two editions of the JCR provide citation data (e.g. journal impact factors)
of nearly 5.000 science journals and 1,700 social sciences journals.
Essential Science Indicators (ESI)
ESI was updated on January 1, 2003 to cover ten years plus
ten months, January 1992 - October 31, 2002

provides internet access to a unique and comprehensive compilation
of essential science performance statistics and science trends data derived
from ISI's databases. The chief indicators of output, or productivity, are journal
article publication counts. For influence and impact measures, ESI employs both
total citation counts and cites per paper scores. The former reveals gross influence
while the latter shows weighted influence, also called impact.
Unter Citation Rankings:
Scientists kann man finden, wie häufig ein bestimmter Forscher
zitiert wird.
Ein Vergleich mit anderen Forschern aus gleichem Gebiet wird auch angeboten:

Unter Citation Rankings:
Institutions kann man finden, wie häufig eine bestimmte Körperschaft
zitiert wird:
Ein Vergleich mit anderen Institutionen aus gleichem Gebiet
(z. B. Materials Science) wird auch angeboten:
Unter Citation Rankings:
Countries ist die gleiche bibliometrische Analyse für ein bestimmtes
Land zu finden:
a) citations per paper:

b) Gesamtanzahl der Citations:
Unter Most Cited Papers: Highly Cited Papers (last 10 years) kann man die in den letzten zehn Jahren am meistens zitierten Arbeiten:
entweder nach dem Gebiet (Physics)
oder nach dem Land (Austria) oder Institution:

Unter Most Cited Papers:
Hot Papers (last 2 years) ist
die gleiche Bibliometrische Analyse innerhalb der letzten zwei Jahren zu finden:
Unter Citation Analysis Research - Baselines sind zwei andere bibliometrische Analysen zu benützen:
Unter Average Citation Rates wird die mittlere Zitierhäufigkeit je nach dem Fach errechnet (ein Paradebeispiel für die Abhängigkeit der Impaktfaktoren vom Fachgebiet):
Unter Percentiles wird die Anzahl
der Zitate verstanden, die eine Arbeit in einem bestimmnten Fachgebiet benötigen
wurde, um 0,01, 0,10 oder 1,00 oder 10% der Gesamtzitate in diesem Gebiet zu
erhalten.
Die Percentiles werden hier errechnet und zeigen, wie sich die Zitierhäufigkeit in einem bestimmnten Fachgebiet innerhalb der letzten zehn Jahren entwickelt hat:
To read this table:
The Percentiles page is divided into sections for each individual scientific
field, with the "All Fields" section combining all data. Within each
section are rows for the four percentile breakdowns (0.01%, 0.1%, 1%, and 10%).
Data for the percentiles are given for the last 10 years, with the "All
Years" column using all data for those years.
See the picture above. In the Chemistry portion of the table, a value of 66,
for instance, in the 0.01% column for 1998 indicates that the top 0.01% of papers
in chemistry journals in that year have since been cited a minimum of 66 times.
Unter Citation Analysis
Research Fronts werden die Research Fronts ("current
articles can be organized into subject areas according to the clusters of older
papers that they cite in common") identifiziert:
Die können nach deren Namen oder innerhalb eines Fachgebietes gesucht werden:

Hinweise:
Ganz angenehm sind die zahlreichen Optionen, die das Sortieren der Ergebnisse
nach verschiedenen Kriterien ermöglichen.
In dem Teil Citation fällt außerdem die Einschränkung "nur
erster Autor" aus!!
Offene Fragen: wie konsequent und seit wann?
Allgemeine Kritik an SCI und an JCR:
1) Umfang des Datenmaterials:
3) Auswahlpolitik für auszuwertende Zeitschriften
4) Fehler bei der Verarbeitung der Zitierdaten
5) Die JCR-Daten sind nicht repräsentativ genug
6) Korrelation von Zitierfrequenzen aus Zitatenanalysen und Benutzungsfrequenzen in Bibliotheken ist nicht so hoch wie erwartet
Kritik an "Impact Factor":
1) Kritik am Zeitraum der ausgewerteten Daten (aus den
beiden letzten Jahren)
2) Kritik am Umfang der auszuwertenden und ausgewerteten
Daten
3) Kritik an der Qualität der ausgewerteten Daten
(Selbstzitate!, Titeländerungen)
4) Mißverständnisse bei der Interpretation
5) Einfluß auf die Verlage und die Publikationsformen
("E. Garfield beherrscht mit absolutistischer Macht
die wissenschaftliche Szene. Editors und Verleger von Journals, die zitiert
werden wollen, geben sich in Philadelphia die Klinke in die Hand",
Lindner (49))
Praktische Nachteile von SCI:
1) Nur erster Autor wird zitiert!
2) Formale Fehler (Computer-generiertes Verzeichnis)
Sie können von den Autoren der Originaltexte verursacht
oder während der verlegerischen Produktion entstanden sein. Diese
Fehler sind in Abhängigkeit vom Arbeitsaufwand zum Teil korrigierbar
(ca. 1% aller Bandangaben sind fehlerhaft), Mangel an Konsequenz!
3) Probleme mit Homographen (Autoren mit gleichem
Namen)
4) teuer
9. Präsentation der Ergebnisse
Folgende Beispiele dienen als Muster:
a) Auswirkung einer individuellen
Arbeit
b) Eminenz eines bestimmten Forschers: Beispiel
1 und Beispiel 2
c) Prestige und Leistung einer bestimmten Forschungsanstalt,
(by
citation
impact oder by total citations), einer
Firma oder eines Landes,
d) Internationale Vergleiche
für ein bestimmtes Fachgebiet
e) Bei Zitatenanalysen von Zeitschriften werden die Zitierfrequenzen
aller in einer Zeitschrift enthaltenen Artikel summiert und die Summe als
Maß für den Wert der Zeitschrift angesehen. Die Auflistung nach
verschiedenen Kriterien ist die einfachste Art der Präsentation. Paradebeispiele
liefern die Ranking-Listen der JCR. Unter Einsatz der elektronischen Datenverarbeitung
sind auch mehrdimensionale Darstellungsarten entwickelt worden.
Besondere Beachtung finden die sogenannten "one-stepmaps"
bzw. "two-step maps", bei denen jeweils
diejenige Zeitschrift B bestimmt wird, die von einer Zeitschrift A am häufigsten
und bzw. am zweithäufigsten zitiert wird
(50)
. Dabei werden Selbstzitate, d.h. Zitate anderer Artikel der gleichen Zeitschrift
nicht berücksichtigt. Bei der Einbeziehung einer definierten Menge
von Zeitschriften entsteht ein Netzwerk, in dem die Zuordnung "A zitiert
am häufigsten B" durch einen Pfeil repräsentiert wird.
Eine andere sehr gebrauchte Darstellungsmethode ist die
Cluster-Analyse,
nach der Zeitschriften, die sich gegenseitig häufig zitieren als andere,
eine inhaltliche zusammenhängende Gruppe bzw. einen Cluster
bilden.
Der Informationswert der Cluster-Analyse basiert auf
der Verarbeitung einen großen Menge von elektronisch gespeicherten
Zitierdaten und eines ausgefeilten Iterationsprozesses (Software). Wegen
ihres riesigen operationalen Aufwandes wird diese Methode meistens nur
bei Untersuchungen in der Wissenschaftskunde verwendet.
"By citing other works, authors create footprints in
the landscape of scholarly achievement"
(30).
Diese "Spuren" sind die wichtigsten Instrumente, die
uns für das Studium der Entwicklung und Struktur der Wissenschaft
zur Verfügung stehen. Obwohl die Häufigkeit des Zitierens einer
Arbeit nichts Endgültiges über ihre Qualität, jedoch über
ihre Auswirkung aussagt, kann man mit großer
Wahrscheinlichkeit behaupten, daß eine häufig zitierte Arbeit,
ein wichtiges, wissenschaftliches Ergebnis enthält, oder daß
sie, nach den Worten von Cronin, eine tiefe Spur hinterlassen hat.
Die Einführung der Zitate als Bewertungsmethode des
Impakts einer Arbeit hat die aktuelle "Veröffentlichungskrankheit"
entlarvt: Mehr als ein Drittel dieser Arbeiten werden nicht einmal
zitiert. Würden zusätzlich die Selbstzitate betrachtet,
stiege diese Zahl dramatisch.
Mehrere Untersuchungen von E. Garfield zeigen, daß
die mittlere Zitatenjahresquote von zitierten Veröffentlichungen bei
etwa 1,7 liegt oder daß die festgelegte Schwelle der für diese
Quote, die bei 15 bis 17 Zitaten liegt, von weniger als 1 Prozent der im
"Science Citation Index" verzeichneten Arbeiten überschritten wird.
Nur extrem wenige Veröffentlichungen werden oft
zitiert (z.B. mehr als 100 mal) und sehr viele nur selten (1-10 mal) oder
überhaupt nicht. Eine solche unsymmetrische Verteilung
wird in Anlehnung an die Untersuchungen über die Verteilung von Einkommen
von V. Pareto zu Ende des vorigen Jahrhunderts als Pareto-Verteilung bezeichnet.
Fast 50 Prozent aller vom SCIENCE CITATION INDEX erfaßten Veröffentlichungen
aus dem Zeitraum 1981-1985 wurden im Zeitraum von 5 Jahren nach ihrem Erscheinen
kein einziges Mal von anderen Autoren zitiert. Der Anteil der mehr als
einmal zitierten Publikationen wurde auf nur 20 Prozent abgeschätzt.
Dazu muß einschränkend bemerkt werden, daß 1/4 der erfaßten
Veröffentlichungen Kurzmitteilungen sind, die in der Regel nicht zitiert
werden. Für den Bereich der Naturwissenschaften allein und bei Nichtberücksichtigung
der Kurzmitteilungen beträgt der Anteil der nicht
zitierten Veröffentlichungen immerhin noch 23 Prozent
(aus einer Zitierungsanalyse der Veröffentlichungen in 1984 und deren
Zitierungen bis Ende 1988) [52,53].
Natürlich gibt es auch Kontroverse über die
Gültigkeit
dieser Methode und ihre richtige Anwendung und Interpretation.
Keine Bewertungsmethode kann aber durchaus objektiv und
perfekt sein. Es werden sicher immer einzelne Fälle von Benachteiligungen
auftreten, es wird auch sicher immer
sehr gute Veröffentlichungen geben, deren Bedeutung
und Qualität erst viele Jahre nach ihrem
Erscheinen, wenn überhaupt, anerkannt werden.
Es wird immer Feinfühligkeit notwendig sein, um
Einwände und Mängel zu erkennen, die jeder statistischen Analysenmethode
eigen sind, und um eine richtige Anwendung dieser Methode durchzuführen.
Heutzutage gibt es aber keine gerechtere Methode. Der
Beitrag der Wissenschaftler zur deren Verbesserung wird darin bestehen,
daß sie
verantwortungsvoll und ehrlich zitieren.
Verantwortungsvolles Zitieren ist eine Aufgabe der modernen Wissenschaftler
geworden.
Solche bibliometrischen Untersuchungen können
dann zweifellos einer besseren Orientierung und Beurteilung
der wissenschaftlichen Leistung von konkreten Forschern
und Forschungsanstalten dienen.
Die erfolgreiche Durchführung solcher Analysen setzt
aber gute Kenntnisse über diese Methode, deren Schwäche, Mängel
und Einschränkungen voraus. Fehlplanungen und -urteilen sind sehr
gefährlich, wenn man betrachtet, von welch großer Bedeutung
die Interpretation der Ergebnisse sein kann.
1. Gorraiz, J.: "Die unerträgliche Bedeutung der
Zitate".
In: Biblos. Jg. 41 (1992), H. 4, S.193-204.
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Methods and Applications.
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3. Pritchard, A.: Statistical Bibliography or Bibliometrics?
In: Journal of Documentation. London.
Jg. 25 (1969), H. 4, S. 348-349.
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Retrieval Systems: On-line Bibliometrics Studies.
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Elektronische Dokumente zum Thema Bibliometrie, Scientometrie
Benjamin F. Bowman, Werner Marx, Urs Schoepflin:
Anmerkungen zum
Einsatz von Zitierungsanalysen für die Forschungsevaluation
Werner Marx, Hermann Schier, Michael Wanitschek:
Kann man
Forschungsqualität messen? .
(erschienen im MPG-Spiegel 3/1998)
(Zitierungszahlen als Maß für Resonanz auf wissenschaftliche
Aktivität)
Teresa Y. Neely:
The
Impact of Electronic Publications on Promotion and Tenure Decisions
(über Bedeutung elektronischer Veröffentlichungen für
bibliothekarische Karrieren, primär in wissenschaftlichen Bibliotheken
der USA , Oktober 1999)
Tobias Opthof *
Sense
and nonsense about the impact factor